Die meisten Seitensprünge sind auf sexuelle Unzufriedenheit zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam eine Untreue-Studie an der Universität Göttingen, in der 2600 heterosexuelle Frauen und Männer interviewt wurden, die untreu geworden waren. Laut dem Psychologen und Studienleiter Ragnar Beer hatten sich etwa vier von fünf Befragten für den Seitensprung entschieden, da sie in ihrer Partnerschaft sexuell unzufrieden waren. Dabei beschwerten sich 85 Prozent der befragten Frauen und 79 Prozent der Männer über den Sex mit ihrem Partner. Das Erstaunliche ist: Mehr als 80 Prozent der Frauen und Männer, die fremdgehen, lieben ihren Partner und wären ihm auch gerne treu.

Die Studie zeigte auch, dass der klassische One-Night-Stand eher ein Mythos ist. Auf ein Abenteuer für eine Nacht lassen sich nur 12 Prozent der untreuen Frauen und 15 Prozent der untreuen Männer ein. Bei etwa 60 Prozent der Befragten dauert ihre Affäre hingegen länger als einen Monat. Davon wiederum die Hälfte dehnt ihre Affäre auf über ein halbes Jahr aus. Leider gilt auch: Ein Seitensprung kommt selten allein. Für nur 49 Prozent der untreuen Männer und nur 55 Prozent der untreuen Frauen ist der aktuelle Seitensprung der erste in der jetzigen Partnerschaft.

Glaubt man den Ergebnissen der Studie, ist ein erfülltes Sexualleben mit dem Partner das beste Mittel, einer Affäre entgegenzuwirken. Dazu gilt es als erstes, den Grund für die sexuelle Unzufriedenheit herauszufinden. Und zwar sollte nicht nur jeder für sich ermitteln, was er vermisst, was ihn stört oder langweilt. Um etwas an der Situation ändern zu können, muss es auch der Partner wissen. Laut der Göttinger Untreue-Studie ist das Stillschweigen über sexuelle Wünsche der Hauptgrund für die sexuelle Unzufriedenheit: So teilten nur 31 Prozent der untreuen Frauen und 25 Prozent der Männer dem Partner ihre sexuellen Wünsche mit – und lediglich 27 Prozent der untreuen Frauen und 14 Prozent der Männer erfuhren, wie der Partner im Bett gern verwöhnt würde.

„Talk about sex und immer mal was Neues ausprobieren“, empfiehlt Studienleiter Beer deswegen. „Dann hat eine Beziehung echte Chancen zu überleben.“

Quelle: Dr. Ragnar Beer, Studie im Projekt „Theratalk“ der Göttinger Georg-August-Universität, 2007

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