Männer warten oft zu lange ab, bevor sie Ärzten oder Angehörigen von ihren Symptomen berichten. Dieses Schweigen kann dazu führen, dass sich die Prognose verschlechtert – ganz besonders im Fall von Prostatakrebs. Die von Bayer unterstützte Aufklärungskampagne ‚Männer.Reden.Jetzt.‘ (maennerredenjetzt.de) schafft nun – mit Hilfe ihres prominenten Botschafters und ehemaligen Hochspringers Carlo Thränhardt – Bewusstsein für die Problematik und fordert Männer auf: „Beendet das Schweigen und redet offen über Eure Symptome!“

Warum Männer schweigen

„Im Unterschied zum ganzheitlichen Gesundheitskonzept von Frauen haben Männer eine eher mechanische, funktionsorientierte Vorstellung des eigenen Körpers“, erklärt Professor Dr. rer. soc. Anne Maria Möller-Leimkühler, leitende Diplom-Sozialwissenschaftlerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Krankheit ist weder funktional für den Arbeitsmarkt, noch ein Indikator für Männlichkeit – also darf es sie nicht geben. Die Folge: Symptome werden nicht wahrgenommen, verdrängt oder bagatellisiert, Arztbesuche aufgeschoben, solange man noch ‚funktioniert‘. Aber auch Angst vor der Diagnose und Ablehnung der Patientenrolle sind ein Thema.“

Ganz besonders negative Auswirkungen kann dieses Verhalten für Männer haben, die an Prostatakrebs leiden. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Allein 2012 erhielten 63.710 deutsche Männer die Diagnose, die Prognose für das Jahr 2016 liegt bei 66.900 Neuerkrankungen; 12.957 Männer verstarben 2012 an der Erkrankung.1 Umso problematischer ist die Tatsache, dass im Jahr 2015 nur 15 Prozent der Männer die möglichen Vorsorgeuntersuchungen zum Prostatakarzinom in Anspruch nahmen.2

Professor Dr. med. Martin Schostak, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Magdeburg, bezeichnet die Vorsteherdrüse Prostata als das „wohl männlichste Organ des Menschen“. Sie spielt eine zentrale Rolle im Liebesleben, denn hier wird der größte Teil des Ejakulates produziert. Muskelkontraktionen in der Drüse erzeugen dann den Samenerguss. Konsequenterweise trifft die Diagnose Prostatakrebs den Mann im Kern. Ängste rund um den Verlust der Männlichkeit sowie seiner Rolle in der Familie und im sozialen Umfeld dominieren oft das Denken des Betroffenen.

Eine rechtzeitige, möglichst individualisierte und besonders auf die Symptome ausgerichtete Therapie ist jedoch gerade bei Prostatakrebs entscheidend und kann lebensverlängernd wirken. Während der Krebs im frühen Stadium meist lange Zeit keine Symptome verursacht, können Beschwerden wie unerklärliche Schmerzen, Schlafstörungen oder Verlust der Blasenkontrolle Warnzeichen für das Fortschreiten des Krebses sein.3,4 „Eine der häufigsten und schwerwiegendsten Komplikationen beim fortgeschrittenen Prostatakrebs sind Knochenmetastasen“, erläutert Schostak. Sie sind mit einer starken Verkürzung der Lebenszeit und Einschränkung der Lebensqualität verbunden.

Weltweit größte Umfrage zu Prostatakrebs-Symptomen

Hervorgegangen ist die Kampagne ‚Männer.Reden.Jetzt.‘ aus den Ergebnissen der bisher größten internationalen Umfrage zu Prostatakrebs-Symptomen (International Prostate Cancer Symptom Survey) der internationalen Prostatakrebs-Koalition (IPCC: International Prostate Cancer Coalition), mit 1.327 Teilnehmern aus elf Ländern. Ziel der Befragung war es, herauszufinden, welchen Einfluss die Symptome auf das tägliche Leben der Betroffenen haben und wie Patienten ihre Beschwerden im Arzt-Patienten-Gespräch kommunizieren. Im Fokus stand dabei nicht nur die Sichtweise der Patienten, sondern auch die der pflegenden Angehörigen.5

Nahezu alle Studienteilnehmer mit Knochenmetastasen (99%) waren von mindestens einem Symptom betroffen. Die meisten von ihnen litten unter Müdigkeit (87%), Schmerzen an spezifischen Körperstellen (82%) und allgemeinen körperlichen Schmerzen (73%). 73 Prozent aller Patienten mit Knochenmetastasen berichteten, dass sie bereits Schmerzen hatten, bevor die Komplikation überhaupt festgestellt wurde – bei 40 Prozent von ihnen vergingen bis zur Diagnose mindestens sieben Monate. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass 45 Prozent der befragten Männer Symptome oftmals ignorieren.5

Die Gründe für das Schweigen der Männer sind vielfältig: So brachten 56 Prozent der Männer auftretende Schmerzen nicht immer mit ihrem fortschreitenden Prostatakarzinom in Verbindung und 34 Prozent meinten, mit dem Reden über Symptome zeigten sie Schwäche. Dass sie lernen müssten, mit täglichen Schmerzen zu leben, vermuteten 55 Prozent der Patienten. Für 29 Prozent gehörte Schmerz-Management nicht zum wesentlichen Teil einer effektiven Krebs-Therapie.3

Zudem scheint die Art und Weise, wie Männer mit ihren Symptomen umgehen, auch vom kulturellen Umfeld abzuhängen. So gaben ungefähr 40 Prozent der Befragten aus der Europäischen Union an, nur ungern mit dem Arzt über ihr körperliches Wohlbefinden zu sprechen. In den USA und im asiatisch-pazifischen Raum waren die Patienten mit 12 beziehungsweise 28 Prozent dagegen offener. Es fiel auf, dass mehr Männer aus der Europäischen Union (72%) bereits Knochenmetastasen entwickelt hatten, bevor sie mit ihrem Arzt sprachen, als Patienten in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum (jeweils 53%).5

Die Studie zeigte auch, dass Angehörige eine wichtige Rolle beim Gespräch mit dem Arzt einnehmen, vor allem dann, wenn es um schwierige Themen geht.3 So verlässt sich jeder zweite Patient in der Gesprächssituation mit dem Arzt darauf, dass sein Begleiter dem Arzt die entscheidenden Fragen stellt. Außerdem wurden bei deutlich mehr Patienten in Begleitung von Angehörigen mögliche Schmerzen thematisiert als bei denjenigen, die alleine zum Arzt gingen (45% vs. 32%). Wie unterschiedlich Angehörige und Patienten die Auswirkungen von Schmerzen auf den Betroffenen wahrnahmen, zeigte sich daran, dass deutlich mehr pflegende Angehörige als Patienten der Aussage zustimmten, dass Schmerz die Aktivität des Patienten einschränke (72% der pflegenden Angehörigen vs. 54% der Patienten).5

Kampagne ‚Männer.Reden.Jetzt.‘ will das Schweigen beenden

Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass eine gute Kommunikation zwischen Patient, Angehörigen und betreuendem Arzt enorm dazu beitragen kann, dass Symptome früher identifiziert und rechtzeitig individuell behandelt werden. Wie kann ein konstruktives Gespräch mit dem Arzt ablaufen? Welche Warnsignale des Körpers sind Zeichen dafür, dass der Prostatakrebs weiter fortschreitet? Das sind Fragen, die auf der Website maennerredenjetzt.de beantwortet werden. Das Portal bietet unter anderem Informationen zum Prostatakarzinom und unterstützt Patienten beim Umgang mit der Erkrankung mit einem Symptomfragebogen und einem Leitfaden für das Gespräch mit dem Arzt.

Die Kampagne soll insgesamt öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung des Redens über Symptome schaffen und Männer auffordern, nicht länger zu schweigen. Denn das Reden über Symptome stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen möglichst früher Diagnose und dem rechtzeitigen Einsatz bestimmter Behandlungen dar. Erhalten Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zum richtigen Zeitpunkt die für sie passende Therapie, kann dies nicht nur dazu beitragen, das Voranschreiten des Prostatakrebses zu verlangsamen, sondern darüber hinaus auch die Lebensqualität der Patienten erhalten. Zudem können sich Betroffene über die Hintergründe der Kampagne ‚Männer.Reden.Jetzt.‘ informieren. Ein interaktives Modul ermöglicht ihnen, eigene Verhaltensweisen in Bezug auf die Erkrankung mit denjenigen anderer Patienten zu vergleichen.

Dies ist eine Information der Bayer Vital GmbH.

Quellen:
1 http://www.gbe-bund.de/pdf/kid_2015_prostata.pdf
2 http://www.urologenportal.de/632.html
3 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLp3_S3_Prostatakarzinom_2015-07.pdf
4 American Cancer Society. “Prostate Cancer.” (Last revised: March 12, 2012). http://www.cancer.org/acs/groups/cid/documents/webcontent/003134-pdf.pdf. Accessed on April 6, 2015.
5 William K. Oh et al., J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 10124).

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