An der Universität Ulm wurden junge Männer gebeten, die Attraktivität von Autos auf Fotos zu beurteilen. Das Ergebnis: Sportlichkeit gewinnt. Genau genommen fanden die Männer Sportwagen attraktiver als Kleinwagen. Für viele Menschen hört sich das Ergebnis vielleicht etwas skurril an, ist es aber nicht. Denn das menschliche Gehirn verfügt über große Plastizität. Das heißt, der Mensch ist fähig, alles zu lieben. Er kann sich gleichermaßen in andere Menschen als auch in Objekte verlieben. Denn es gibt im menschlichen Gehirn keine Vorgaben darüber, wie das Objekt der Liebe auszusehen oder zu sein hat. Deshalb waren die Forscher von dem Ergebnis auch nicht sonderlich überrascht.

Was Sex mit dem Auto zu tun hat

Als sich die Forscher mittels MRT (Magnetresonanztomographie) ansahen, in welchen Bereichen die Gehirne der Versuchsteilnehmer aktiv sind, waren sie allerdings doch erstaunt. Sie beobachteten eine erhöhte Aktivität im Belohnungszentrum – auch Nucleus accumbens – genannt. Das Belohnungszentrum ist normalerweise beim Sex am aktivsten. Oder bei der Einnahme von Drogen. Das heißt natürlich nicht, dass das Betrachten des Autos dieselben Auswirkungen hat wie die Einnahme von Drogen. Dennoch können Menschen zu ihrem Auto eine intensive Beziehung aufbauen. Das gilt übrigens nicht nur für Männer. Studien von Christa Bös (Freie Universität Berlin) zufolge scheinen beide Geschlechter ein eher emotionales Verhältnis zu ihrem Auto zu haben. Einen Unterschied dabei gibt es allerdings. Männer demonstrieren mit ihrem Auto den sozialen Status. Bei Frauen steht es für Gleichberechtigung und Emanzipation.

Wenn das Auto traurig aussieht

Dass Menschen zu ihrem Auto ein emotionales Verhältnis aufbauen, hängt mit einem alten Erbe zusammen. Denn das menschliche Gehirn ist darauf gepolt, möglichst viele Informationen aus den Gesichtern anderer Menschen herauszulesen. Und das ist der Grund, warum Menschen dazu neigen, in vielen Dingen Gesichter zu sehen – beispielsweise in Wolken oder Felsformationen. Forscher fanden heraus, dass Menschen auch in der Frontseite eines Autos Gesichter sehen und diese mit bestimmten Eigenschaften, wie beispielsweise Aggressivität oder Traurigkeit, verbinden.
An der Florida State University bat ein Team um Dennis Slice Versuchsteilnehmer einzuschätzen, ob ein Auto eher unterwürfig oder aggressiv wirkt. Nahezu alle Teilnehmer kamen zu demselben Ergebnis. Autos wirken dann aggressiv, wenn sie tiefer gelegt sind, die Motorhaube länglich ist und die Frontlampen eckig. Autos, die als freundlich wahrgenommen wurden, hatten rundliche nach oben gehende Seitenkanten und eng beieinanderliegende rundliche Lampen. Diese Autos wurden bevorzugt von Frauen gekauft.

Status, Freiheit und emotionaler Ausdruck des Auto-Gesichts: Das sind die drei Kategorien, die uns beim Autokauf begleiten.

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