Es wäre eine tolle Sache, wenn Mann sich mit Vitamin E und dem Spurenelement Selen vor Prostatakrebs schützen könnte. Doch sind diese Substanzen wirklich sinnvoll? Vitamin E und Selen zählen beide zu den Antioxidantien. Antioxidantien haben die Aufgabe, freie Radikale abzufangen. Befinden sich zu viele freie Radikale im Körper, entsteht oxidativer Stress, der die Körperzellen schädigen kann.

Im Jahr 2001 wurde die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Preventio Trial) gestartet. Im Rahmen der Studie wurde untersucht, ob sich mit Vitamin E und Selen möglicherweise Prostatakrebs verhindern ließe. Unter der Leitung der Southwest Oncology Group (SWOG) hatten an über 400 Orten in den USA, Kanada und Puerto Rico mehr als 35.000 Männer teilgenommen. Alle Probanden waren über 50 Jahre alt. Sie wurden in vier Studiengruppen aufgeteilt: Eine Gruppe bekam 400 mg Vitamin E, die zweite 200 µg Selen, die dritte Gruppe erhielt beide Präparate und die vierte ein Scheinmedikament (Placebo). Sieben Jahre später, 2008, wurde die SELECT-Studie abgebrochen. Der Grund: Die Zwischenauswertung zeigte, dass die Gabe von Vitamin E beziehungsweise Selen nicht das Risiko verringerte, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Und 2010 wurde in der ehemaligen Vitamin-E-Gruppe ein leichtes, aber deutlich erhöhtes Prostatakrebsrisiko beobachtet.

Zusätzliche Gaben von Selen und Vitamin E bringen keinen Vorteil

In Seattle machten sich Forscher nun vor kurzem daran, die Daten der 1.739 Studienteilnehmer mit Prostatakarzinom noch einmal genauer anzuschauen. Hierzu nutzen sie die von allen Probanden vorliegenden Proben der Fußnägel. Die Proben gaben Auskunft darüber, wie gut die Probanden zu Beginn der Studie mit Selen versorgt waren. Zum Vergleich dienten 3.000 Männer ohne Prostatakarzinom.

So sieht das Ergebnis der neuen Auswertung aus: Bei den Männern, die keine Antioxidantien einnahmen, fanden die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen Selenversorgung und Prostatakrebsrisiko. Auch diejenigen Männer mit einem schlechten Selenstatus hatten keinen Vorteil durch eine zusätzliche Gabe von Vitamin E und/oder Selen. Die Teilnehmer, die bereits zu Beginn der Studie eine gute Selenversorgung aufwiesen, und die zusätzlich Selen mit/ohne Vitamin E erhielten, hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer aggressiven Form des Prostatakarzinoms zu erkranken.

Männer mit einem hohen Selen-Anfangs-Spiegel, die nur Vitamin E erhielten, profitieren von der Vitamin-E-Gabe nicht. Lagen niedrige Selen-Werte vor, erhöhte zusätzliches Vitamin E das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken um 63 Prozent – und zwar für alle Formen des Prostatakarzinoms.

Fazit der vorliegenden Daten: Hochdosierte Gaben von Vitamin E und Selen haben keine protektive Wirkung. Sie verringern nicht das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

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