Putenschnitzel erfreuen Männer-Herzen mehr als Hot Dogs und Salami. Diesen Schluss legen die Ergebnisse einer schwedischen Studie nahe.
Männer, die regelmäßig industriell verarbeitete rote Fleischprodukte essen, erhöhen möglicherweise ihr Risiko an Herzversagen zu sterben. Und in dem Maße, in dem der Genuss dieser Art Fleischprodukte steigt, nimmt auch das Risiko für ein Herzversagen zu, lautet die Schlussfolgerung aus der Studie. Der Grund: Das Herz ist nicht mehr in der Lage, seine Aufgabe – Blut durch die Gefäße zu pumpen – richtig zu erfüllen.
Männer, die ungefähr 75 Gramm rote industriell verarbeitete Fleischprodukte pro Tag essen– das entspricht in etwa 2 bis 3 Scheiben Schinken – haben ein um 28 Prozent höheres Risiko, ein Herzversagen zu erleiden und ein mehr als doppelt so hohes Risiko, daran zu sterben – im Vergleich zu Männern, die weniger als circa 30 Gramm pro Tag zu sich nehmen.
Die Studie sagt allerdings nicht aus, dass der intensive, nahezu tägliche Konsum von industriell verarbeiteten roten Fleischprodukten Herzversagen verursacht, es würde lediglich ein Zusammenhang aufgezeigt, äußert sich ein unabhängiger Experte zu den Studienergebnissen.

Es wurde auch noch kein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von unverarbeitetem roten Fleisch, wie beispielsweise Rind- oder Schweinefleisch, und Herzversagen gefunden.

Industriell verarbeitete rote Fleischprodukte haben viele Zusatzstoffe

Herzversagen gehört zu den häufigsten und kostenintensivsten Herzerkrankungen in den Vereinigten Staaten. Zudem stirbt fast jeder zweite Patient innerhalb der ersten 5 Jahre nach der Diagnose.
Basierend auf ihren Erkenntnissen (Juni 2012, Circulation: Heart Failure) empfehlen die Wissenschaftler idealerweise überhaupt keine industriell bearbeiteten roten Fleischprodukte zu essen oder höchstens 2 oder 3 Portionen pro Woche an unbehandeltem roten Fleisch zu verzehren. Industriell verarbeitete rote Fleischprodukte werden mithilfe von Rauch, Pökeln, Salz oder anderen Konservierungsstoffen haltbar gemacht. Und daher enthält das verarbeitete Fleisch in den meisten Fällen Salz, Nitrate, Phosphate und andere Lebensmittelzusatzstoffe. Geräuchertes und gegrilltes Fleisch enthält außerdem sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die alle zu einem erhöhten Risiko von Herzversagen beitragen können. Unverarbeitetes Fleisch ist dagegen frei von Zusatzstoffen und weist in der Regel eine geringere Salzmenge auf.

Salami, Würstchen & Hot Dogs könnten schlecht für das Herz sein

Die Wissenschaftler schlossen in ihre Untersuchung die Daten von mehr als 37.000 Männern im Alter von 45 bis 79 Jahren ein. Alle Männer waren Probanden der Swedish Men Study. Keiner der Teilnehmer hatte zuvor schon einmal ein Herzversagen oder eine Herzerkrankung erlitten oder war an Krebs erkrankt.
Die Männer gaben mittels Fragebogen Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten und ihren Lebensstil. Der Verzehr von industriell bearbeiteten Fleischprodukten wurde anhand der verzehrten Menge an Wurst, kaltem Aufschnitt (Schinken, Salami), Würstchen und Leberpastete über das vergangene Jahr ermittelt. Außerdem gaben die Teilnehmer an, wie viel unbehandeltes Fleisch sie zu sich genommen hatten. Hierzu zählten Schweine-,Rinds- und Kalbsfleisch sowie Hamburger oder Hackfleisch.
Schließlich verfolgten die Forscher den gesundheitlichen Werdegang der Männer während der Jahre 1998 bis 2010: Insgesamt wurde bei 2.900 Männern Herzversagen diagnostiziert, 266 starben daran. Die Forscher stellten fest, dass das Risiko für ein Herzversagen mit jeder täglich verzehrten 48 Gramm-Portion um 8 Prozent steigt. Während das Risiko an Herzversagen zu sterben, mit jeder größeren Portion auf 38 Prozent steigt. Die Wissenschaftler gehen übrigens davon aus, dass eine Studie mit Frauen zu einem ähnlichen Ergebnis führen würde. Und deshalb sollten auch Frauen ihrem Konsum an industriell verarbeiteten Fleischprodukten kritisch gegenüberstehen.

Fisch und Nüsse sind gut für das Herz

Es gibt jedoch einige Kritikpunkte an der Studie: So ist nicht auszuschließen, dass auch andere Faktoren für den Zusammenhang von ‚Verzehr von industriell verarbeiteten roten Fleischprodukten und Herzversagen‘ verantwortlich sind. So könnten die Fleisch-Fans zum Beispiel weniger Sport treiben oder es spielen Faktoren eine Rolle, die von den Forschern nicht erfragt wurden. Zudem handelt es sich bei Herzversagen um ein sehr komplexes Krankheitsbild, das von vielen Faktoren, unter anderem von genetischen Dispositionen oder Lebensstil, beeinflusst werden kann.
Die Studie beschreibt also lediglich einen Zusammenhang, macht jedoch keine Aussage über Ursache und Wirkung. Allerdings wurde auch in früheren Studien bereits darauf hingewiesen, dass der intensive Verzehr von industriell verarbeiteten roten Fleischprodukten mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebs verknüpft ist.
Auch wenn die vorliegende Studie keine Aussagen über Ursache und Wirkung zulässt, ist es trotzdem sinnvoll, wenn Männer und auch Frauen ihre Ernährungsgewohnheiten überdenken und zumindest versuchen, den Verzehr von Salami, Würstchen und Co. zu verringern. Auch wenn es schwer fällt, diesen Vorsatz in der Praxis umzusetzen.
Ein kleiner Tipp für alle, die es einmal mit herzfreundlicher Ernährung probieren möchten: Die amerikanische Herzgesellschaft (American Heart Association) empfiehlt vermehrt Obst, Gemüse, fettreduzierte Michprodukte, Geflügel, Fisch und Nüsse auf den Speiseplan zu setzen. Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke sollten dagegen nur im geringen Maße gegessen werden. Übrigens, diese Art der Ernährung soll auch gut für die Hirnfunktion sein…

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