An der Seite eines Mannes geht eine schöne Frau. Der Anblick könnte zu der Vermutung verleiten, ihre Schönheit sei die Eintrittskarte in die Ehe gewesen: Dass Schönheit bei Frauen alleine ausreiche und andere Faktoren wie Bildung oder Einkommen keine Rolle spielen würden, wenn sich Paare finden, so denken viele Menschen. Doch dem ist nicht so. Trophy Wifes sind größtenteils ein Mythos, der in erster Linie auf einseitiger Wahrnehmung beruht. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der französischen Soziologin Elisabeth McClintock.
McClintock stellte ihre Studienergebnisse in der Fachzeitschrift American Sociological Review (2014) vor. Sie entschlüsselte den soziologischen Widerspruch zwischen dem Trophy Wife Syndrom und den Anhaltspunkten, dass sich Paare hinsichtlich Attraktivität und sozioökonomischem Status ähnlich sind.

Paare finden sich nach dem Ähnlichkeitsprinzip

Zum ersten Mal benutzte die junge Wissenschaftlerin eine nationale repräsentative Auswahl an jungen Paaren und führte mit jedem Partner ein Interview durch. McClintock, deren Forschungsschwerpunkt ‚Ungleichheit in romantischen Partnerschaften‘ ist, erklärte, dass in bisherigen Studien vor allem zwei Aspekte ignoriert wurden: So sind gutaussehende Männer mit gutaussehenden Frauen zusammen und erfolgreiche Männer mit erfolgreichen Frauen. Im Durchschnitt sind also Männer mit einem hohen sozioökonomischen Status mit besser aussehenden Frauen zusammen. Das liegt allerdings auch daran, dass sich die entsprechenden Männer selbst oft als gut aussehend wahrnehmen, da sie unter anderem seltener übergewichtig sind, gute Kleidung tragen und auf Hautpflege achten.
Außerdem ist das stärkste Kriterium bei der Partnerwahl der Faktor ‚Ähnlichkeit‘. Dem ‚Ähnlichkeitsprinzip‘ zufolge gehen Menschen am ehesten eine Partnerschaft ein, wenn sie über eine ähnliche Bildung, Ethnie, Religion und physische Attraktivität verfügen.
Laut McClintock gibt es keine allgemeine Tendenz von Frauen ‚Schönheit gegen Geld‘ zu handeln. Das heißt nicht, dass Trophy Wife Ehen nicht vorkommen. Sie sind nur sehr selten.
Insgesamt scheinen tendenziell nichtprominente Menschen vom Trophy Wife Stereotyp auszugehen. Und diese Fehleinschätzung kommt oft durch eine unzureichend interpretierte Beobachtung zustande. Beispielsweise wird bei attraktiven Ehefrauen von Ärzten in erster Linie auf ihr Aussehen und seinen Status geachtet. Dass auch er gut aussieht und sie selber erfolgreich berufstätig ist, wird dabei vielfach übersehen.
McClintock weist noch auf einen anderen Aspekt hin, der den Trophy Wife Mythos demontiert. So sind soziale Barrieren auf dem Heiratsmarkt ziemlich undurchlässig. Es ist daher relativ unwahrscheinlich, dass sich schöne Frauen mithilfe ihres Aussehens nach oben heiraten.

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