Väterforschung ist ein relativ neuer Bereich. Und die aktuellen Ergebnisse können sich sehen lassen. Väter prägen ihre Kinder auf ähnliche Weise wie Mütter, und in manchen Entwicklungsbereichen sind sie für ihre Kinder sogar wichtiger als die Mütter.

Von der Forschung vernachlässigt

Bis in die 60er Jahre hinein wurde die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung der Kinder von der Wissenschaft ausgeklammert. Es waren die Mütter, die für die Erziehung der Kinder Lob und Anerkennung erhielten. Die Kehrseite der Situation: Es wurde ihnen die Verantwortung zugesprochen, wenn sich die Kinder nicht gut entwickelten.
Auch die emotionale Aufladung von Mutter- und Vatertag sind in unserer Kultur auffällig unterschiedlich. Während Mütter an diesem Tag selbst gebastelte Geschenke und Kuchen erhalten, scheinen Väter den Tag lieber mit Ihresgleichen jenseits von der Familie zu verbringen.
Der amerikanische Wissenschaftler Ronald Rohner war einer die Pioniere in der Väterforschung. Er befasst sich bereits in den 70er Jahren mit der Fragestellung, welche Bedeutung Väter in ihren Familien haben. 1970 verglich er in einer Studie 101 unterschiedliche Kulturen. Rohner fand heraus, dass Kinder, die mit ihren Vätern im selben Haushalt wohnten, sowohl von der Mutter als auch von anderen Personen besser akzeptiert wurden und mehr Zuneigung erfuhren. Andere Wissenschaftler begannen – angeregt durch Rohner – weitere Forschungen zu Thema ‚Väter und Kinder‘ durchzuführen. Die Forschungsdomäne Väterforschung war geboren.

Fehlende Vaterliebe kann nicht ausgeglichen werden

2012 publizierte Rohner gemeinsam mit Wissenschaftlern aus 13 Nationen einen Review über alle Forschungsergebnisse vergangener Jahrzehnte. Nachlesen kann man die Arbeit im ‚Personality and Social Psychology Review‘. Fühlt sich das Kind durch einen seiner beiden Elternteile nicht geliebt oder abgelehnt, nimmt das Risiko zu, dass es sich später aggressiv verhält und seelische Probleme bekommt. Auch können aus diesen negativen Erfahrungen heraus ein niedriges Selbstbewusstsein, das Gefühl, nicht zu genügen oder auch eine pessimistische Weltanschauung entstehen. Beachtenswert in diesem Zusammenhang ist das Resultat von mehr als 500 Studien, die in den Review mit einbezogen wurden: Fühlen sich Kinder durch ihren Vater abgelehnt, dann schenken sie dieser Situation mehr Beachtung als bei der Ablehnung durch die Mutter. Die Forscher nehmen an, dass Kinder vermutlich recht zuverlässig wahrnehmen, ob Vater oder Mutter in der Familie den stärkeren Part innehaben. In der Regel waren das in der Vergangenheit eher die Väter, und aus diesem Grund wirkte sich die Ablehnung durch sie intensiver auf die Entwicklung des Selbstbewusstseins der Kinder aus als die Ablehnung durch Mütter. Denn die Kinder konzentrierten sich mehr auf die Worte und Handlungen des ‚Familienoberhauptes‘.
Einige Studien weisen sogar darauf hin, dass unabhängig davon, wer in der Familie das Sagen hat, die Art und Weise, wie der Vater seine Kinder behandelt, grundsätzlich stärker wiegt als das Verhalten der Mutter. Lehnen Väter ihre Kinder ab oder behandeln sie gleichgültig, dann haben die Kinder überdurchschnittlich oft soziale Probleme. Sie sind verhaltensauffällig, depressiv, werden drogenanhängig oder geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Es zeigte sich auch, dass Mütter die fehlende Unterstützung durch die Väter nicht durch Liebe und besondere Anteilnahme ausgleichen können.

Es zählen schon die ersten Lebensmonate

Auch frühe Vaterliebe wirkt. Zu diesem Ergebnis kam der Psychiater Raul Ramchandani: Kinder, die im Alter von drei Monaten viel Aufmerksamkeit und Liebe von ihren Vätern erhielten, zeigten mit einem Jahr eine bessere Entwicklung und waren sozial kompetenter. Bei Jungen war das Ergebnis sogar noch ein bisschen besser als bei Mädchen. Die Wissenschaftler interpretieren ihre Ergebnisse dahingehend, dass Väter mit ihren Kindern anders umgehen als Mütter. Beispielsweise würden Männer mit ihren Kindern eher balgen, ihr Interesse an Wettbewerben fördern oder sie zur Unabhängigkeit ermutigen.
In einer Studie, die im ‚Journal of Early Adolescence‘ veröffentlicht wurde, hieß es, dass Väter ihren Kindern eher als Mütter nahelegen, ausdauernd ein Ziel zu verfolgen. Kinder, die diese Eigenschaften von ihren Vätern lernten, wurden von ihnen einfühlsam und liebevoll erzogen. Die Kinder erlebten die Väter als zuverlässige Bezugspersonen, die ihnen klare Regeln vermitteln konnten. Auch gelang es den Vätern, den Kindern ein ihrem Alter entsprechendes Maß an Selbstbestimmung zu gewähren. Noch offen ist, warum es gerade die Väter sind, die Kindern bestimmte Eigenschaften so gut vermitteln können. Möglicherweise legen sie mehr Wert auf Ausdauer, während Mütter andere Prioritäten setzen. Beispielsweise scheinen Frauen eher Wert auf ein höfliches Miteinander zu legen als Männer.

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